

Porsche 718 – RS61 Spyder
Fertiggestellt in 2023
Kaum ein Fahrzeug verkörpert den Motorsport der frühen 1960er-Jahre so eindrucksvoll wie der Porsche 718 RS61 Spyder. Gereift für den internationalen Rennsport, geprägt von konsequentem Leichtbau und konstruiert mit maximalem Fokus auf Performance, zählt der offene Rennwagen bis heute zu den bedeutendsten Porsche-Sportwagen seiner Zeit. Er war die finale Evolutionsstufe der legendären vierzylindrigen Porsche Spyder-Ära, die mit dem Modell 550 1953 ihren Ursprung hatte.
Der von uns restaurierte RS61 Spyder verfügt über eine sehr interessante Historie.
Das Fahrzeug wurde seinerzeit durch Julio Lestido, den Porsche-Importeur für Uruguay und Argentinien, nach Südamerika ausgeliefert und dort von Víctor Borrat Quartino erfolgreich im Rennsport eingesetzt. Quartino genießt dort bis heute Legendenstatus – die Rennstrecke Autódromo Víctor Borrat Fabini, nahe der Hauptstadt Montevideo trägt seinen Namen.
Ist-Zustand & Restaurationsziel
Bei der Ankunft in unserer Werkstatt präsentierte sich der Spyder in einem außergewöhnlich guten Zustand. Statt Korrosion, schwerer Unfallschäden oder fehlender Bauteile verfügte das Fahrzeug über eine bemerkenswert hohe Originalsubstanz. Gleichzeitig stellten wir im Zuge der Eingangsanalyse fest, dass bei einer früheren Restaurierung nicht gerecht dem ursprünglichen Charakter des Fahrzeugs gehandelt wurde.
Im Einzelnen stellten wir fest:
- dick aufgetragene Lackschichten
- hochglänzende Oberflächen
- aufpolierte Bauteile
- kleinere Beschädigungen am Unterboden
- fehlerhafte Reparatur eines Bugschadens
Insgesamt vermittelte das Fahrzeug eher den Eindruck eines modern anmutenden, ggf. im Nachbau erzeugten Renners oder auch Kitcars aus einer anderen Zeit. Das Gefühl in die historischen Zeiten des Rennwagens einzutauchen und die Geschichte zu spüren, stellte sich nicht richtig ein. Im Abgleich mit historischem Basismaterial wurden kleinere Beschädigungen am Unterboden der Karosse, sowie eine ältere, fehlerhafte Reparatur am Bug diagnostiziert, bei der die ursprüngliche Formgebung nicht vollständig wiederhergestellt worden war.
Diese Ausgangssituation wurde der historischen Bedeutung des Fahrzeuges nicht gerecht. Der RS61 Spyder war nicht restaurierungsbedürftig, sondern vielmehr in Teilen fehlerhaft und nach modernen Standards restauriert – aus historischer Sicht ein überrestauriertes Fahrzeug.


Die Zielsetzung zur Steigerung der Anmutung und damit des Wertes war es: Die vorhandene Originalsubstanz wieder sichtbar zu machen, dabei frühere Eingriffe behutsam zu korrigieren und das Fahrzeug anhand historischer Referenzen wieder an seinen ursprünglichen Charakter des Rennsports der 1960er Jahre heranzuführen.
Originalsubstanz bewahren
Händische Entlackung statt vollständiger Zerlegung
Bereits bei der ersten Begutachtung zeigte sich der Porsche 718 RS61 Spyder in einem für historische Rennfahrzeuge außergewöhnlich originalen Zustand. Neben dem noch original lackierten Rahmen waren auch zahlreiche Innenbereiche der Karosserie erhalten geblieben.
Um diese Substanz zu bewahren, wurde bewusst auf eine Trennung der Aluminiumkarosserie vom Rahmen verzichtet. Die Entlackung erfolgte händisch, durch schrittweises Abbeizen der vorhandenen Lackschichten. Das Verfahren ist deutlich zeitintensiver als die Wasserstrahl- oder chemische Entlackung, ermöglicht jedoch ein kontrollierteres und substanzschonenderes Arbeiten – für die Originalität und damit den Wert des Fahrzeuges war diese Herangehensweise von entscheidender Bedeutung. Originale Bereiche wie der Rahmen, oder vorhandene Verkabelungen konnten nur erhalten bleiben, weil auf die vollständige Zerlegung verzichtet wurde.
Während der schrittweise manuellen Lackentfernung, kamen werksoriginale Grundierungen und historische Oberflächen zum Vorschein, die den außergewöhnlichen Erhaltungszustand des Fahrzeugs eindrucksvoll bestätigten. Die Entscheidung für den restauratorischen Ansatz wurde hier belohnt.



Karosseriearbeiten mit Fingerspitzengefühl
Die vorhandenen Beschädigungen beschränkten sich auf kleinere Bereiche am Unterboden und Fahrzeugbug. Um die ursprüngliche Formgebung des RS61 Spyder wiederherzustellen, wurden gezielt autogene Schweißpunkte gesetzt, um durch kontrolliertes Stauchen und anschließendes Schlichten die originale Kontur wiederherstellen zu können. Durch die fachgerechte handwerkliche Bearbeitung der Aluminiumkarosserie konnte vollständig auf neuen oder zusätzlichen Materialauftrag verzichtet werden.

Vorhandene Substanz historisch korrekt zu erhalten, geht immer vor Erneuerung, so unterscheidet sich eine Restaurierung von einer Reparatur.
Auch die Instandsetzung der Beschädigungen am Unterboden erfolgte nach traditionellen Verfahren, wie sie zum Ende der 1950er Jahre angewendet wurden. Statt Bauteile zu ersetzen, wurden die betroffenen Bereiche mittels autogener Punkte eingezogen und anschließend ausgenietet.



Lackierung – Rennsportcharakter sichtbar erhalten
Dünner Lackaufbau statt moderner Hochglanzoptik
Historische Rennfahrzeuge dieser Zeit wurden nicht mit dem Anspruch gebaut, perfekte Oberflächen oder im spiegelnden Glanz zu erscheinen. Entscheidend war die Funktionalität – mit Leichtbau zu maximaler Effizienz im Sinne von Geschwindigkeit auf der Rennstrecke.
Diesen Grundsatz haben wir bei der Restaurierung dieses Porsche 718 RS61 Spyder aufgegriffen.
Dank historischer Rennaufnahmen aus Uruguay, konnte das Fahrzeug in die damalige optische Erscheinung zurückgeführt werden. Die Innenbereiche der Karosserie blieben dabei im Originalen erhalten, während die Außenhaut neu lackiert wurde. Nach der Grundierung erfolgte der Lackaufbau mittels dünnem Kunstharzlack, der dem früheren Erscheinungsbild entspricht. Damit konnten charakteristische Details, wie die Nietreihen der Aluminiumkarosserie sichtbar bleiben. Auf moderne Füllerschichten wurde bewusst verzichtet.


Das Ergebnis ist keine moderne Interpretation eines Rennwagens, sondern eine Oberfläche, die den technischen Charakter, die Leichtbauweise und die Authentizität des RS61 Spyder wieder erlebbar macht.

Ein außergewöhnlicher „Survivor“
Der hier restaurierte Porsche 718 RS61 Spyder gehört zu den extrem seltenen „Survivor“-Fahrzeugen dieser bedeutenden und frühen Ära des Motorsports. Rennwagen hatten im Motorsport ihren artgerechten Einsatz. Dieser war sehr materialraubend. Nicht selten kam es zu Beschädigungen durch Unfälle. Über Jahrzehnte hinweg einen solch außergewöhnlich hohen Anteil an Originalsubstanz vorzufinden ist sehr selten. Der Erhalt ist daher von hoher Bedeutung und werthaltiger Relevanz. Der Rahmen befindet sich heute noch im Zustand der Erstlackierung. Zahlreiche Innenbereiche weisen noch originale Grundierungen auf und viele Komponenten – darunter die Instrumente –stammen weiterhin aus der aktiven Einsatzzeit des Fahrzeugs; wie zum Beispiel auf dem Autódromo Víctor Borrat Fabini in Montevideo, Uruguay.
Mit einem maximalen Anteil an Originalmaterial ist der authentische Gesamteindruck eines Fahrzeuges das Ziel und die größte Herausforderung der Restaurierung zugleich. Ersetzte Komponenten oder neue Oberflächen, dürfen nicht wie Fremdkörper wirken, sondern müssen sich harmonisch in die zeitgenössische Gesamtanmutung des Fahrzeuges einfügen. Statt eines perfektionierten Showroom-Klassikers, wurde der RS61 Spyder wieder zu einem historischen Rennwagen mit glaubwürdiger Ausstrahlung, technischer Ehrlichkeit und sichtbarer Geschichte.


Die wichtigsten Eckpunkte bei dieser Restaurierung waren das Offenlegen von vorhandener Originalsubstanz und damit deren Erhalt, wie die Rückführung des Fahrzeugs zu seiner authentischen Motorsportanmutung. Letztlich ist die konsequente, äußerst detailreiche und digitale Restaurationsdokumentation des gesamten Prozesses, der neue Teil der Geschichte dieses Einzelstückes, welches den Wert für die Nachwelt nicht nur fahrbar erleben läßt, sondern auch deren Wiederentstehung nachvollziehbar macht.
Marcel Hapke, Gründer & Geschäftsführer
